Eine kleine Geschichte über Kreativität und Innovation

 

“Als ich so alt war wie du, war ich auch extrem kreativ, aber das geht mit dem Alter verloren.”
Dieser Satz wird mir wohl ewig in Erinnerung bleiben. Doch beginnen wir am Anfang.

 

FITCE Young Engineer

Wir schreiben das Jahr 2007. Ich bin in Gamming, Österreich und habe gerade den FITCE Young Engineer Award gewonnen für ein Projekt, das Location-Based Services, Social Media, Werbung und allerlei mobile Features kombiniert. FITCE steht dabei für Federation of Telecommunications Engineers of the European Community und ist ein Verband, in dem auch einige der größten Mobilfunkbetreiber Europas vertreten sind. Die damalige Rückmeldung aus dem Publikum und der Jury konnte in folgendem Satz zusammengefasst werden: “Sehr spannendes Konzept, aber es gibt keine Endgeräte, die ein solches System unterstützen können, und auch keine passenden Mobilfunkverträge”. Für den Sieg hat es gereicht, aber dennoch blieb der bittere Beigeschmack, dass man sich nicht ernsthaft auf diese Vision einlassen wollte.
 
Aber wie das Leben so spielt: Wir schreiben das Jahr 2007 – das Jahr in dem das iPhone auf den Markt kam und alles änderte.
 

Where the wild Innovations are

Vieles ist seitdem passiert. Smartphones sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken – Webseiten und Online-Shops sind heute für mobile Endgeräte optimiert, Soziale Medien haben sich zu globalen Kommunikationsplattformen entwickelt, neue Kommunikationstools wie z.B. Whatsapp sind entstanden und haben SMS und vielfach auch Telefonate bzw. Emails abgelöst. Und: Wer hat denn heute überhaupt noch privat einen Standrechner oder Laptop daheim? (Wenn er nicht unbedingt Gamer, Technerd oder IT’ler ist) Viele meiner Bekannten und Verwandten regeln privat mittlerweile nahezu alles über Smartphones und Tablets.
 
Es zeigt sich: Echte Innovation schert sich nicht um Bisheriges. Sie schafft Umschwünge, verändert oder bricht sogar mit Traditionen. Doch Innovation braucht Kreativität.
 

Die Kreativität und das Alter

In gewisser Weise war der FITCE-Event in mehrfacher Hinsicht augenöffnend für mich. Mitten im Studium, voller Tatendrang, keine Erfahrung im Corporate Umfeld und dann diese erste Begegnung mit den Major Playern der Branche. Bei der Abendveranstaltung kam ich mit einem Vertreter eines größeren Mobilfunkbetreibers ins Gespräch, der mehr über die Idee wissen wollte. Während einer Diskussion über kreative Ideen und zukünftige Entwicklungen ist es dann passiert und der eingangs erwähnte Satz fiel: “Als ich so alt war wie du, war ich auch extrem kreativ, aber das geht mit dem Alter verloren”. Er zeigte mir Fotografien, die er x-Jahre zuvor gemacht hatte. Es waren unfassbar gute Studioaufnahmen und ich konnte einfach nicht glauben, dass er nicht mehr daraus gemacht hatte. Schon damals konnte und wollte ich seiner Schlussfolgerung bezüglich des Alters und der Kreativität nicht zustimmen – vermied es aber eine Grundsatzdiskussion zu starten.
 
Ich war damals 24, mein Gegenüber Mitte 30. Doch dieser Satz verfolgt mich bis heute und erinnert mich immer wieder daran wo ich “nicht” hin will.
 

Die Gegenwart

Heute, 17 Jahre später, bin ich über 40 (somit älter als mein damaliger Gesprächspartner) und fühle mich kreativer denn je. Allein im letzten Jahr hat unsere Künstlergruppe “The Pannonians” unzählige Projekte umgesetzt, viele neue Bereiche erlernt und einiges an Staub aufgewirbelt. Persönlich konnte ich mein Wissen in der Programmierung (Python, Automatisierung, React, Next.js, Java, generativer Code, Blockchain/NFT/Solidity) erheblich erweitern. Aber auch in der Verwendung/Entwicklung von KI-Tools, in Photoshop, beim 3D-Modelling, der Spieleentwicklung und beim Arbeiten mit physischen Materialien habe ich große Fortschritte gemacht.
 
Übrigens: Die Dailys (https://www.dailys-nft.com) sind mein erstes größeres Projekt in Python. Eine NFC-Signatur-Projekt sowie ein on-location Print/NFT-Projekt folgen.
 

Kreativität ist ein Skill

Nein, ich kann dem Eingangs-Statement auch heute nicht zustimmen – Kreativität ist nicht altersabhängig. Nichts geht verloren nur weil man ein paar Jahre älter ist. Und warum? Weil Kreativität ein Skill ist. Es ist eine Fähigkeit, die ständig gepflegt werden muss. Kreativität zu erhalten, erfordert ständige Praxis und Offenheit für neue Erfahrungen. Wenn man nicht laufend mit einem Musikinstrument übt, verkümmert irgendwann auch diese Fähigkeit. Vom fantasievollen Spiel von Kindern bis zur weisheitsgeleiteten Kreativität von Senioren bietet jede Lebensphase eigene Möglichkeiten für kreativen Ausdruck. Mit zunehmendem Alter werden unsere Erfahrungen und unser angesammeltes Wissen zu einer weiteren wertvollen Ressource für Kreativität – vorausgesetzt man lässt es zu. Lebenslanges Lernen ist also entscheidend, um den kreativen Muskel aktiv zu halten. Indem wir uns kontinuierlich herausfordern und laufend dazulernen, können wir sicherstellen, dass unser kreatives Potenzial auch nicht mit dem Alter verschwindet. Kreativität erfordert Hingabe, Übung und eine offene Haltung gegenüber Neuem.
 

Innovation entsteht aus Kreativität

Aber was hat das nun mit Innovation zu tun? Nun ja, in gewisser weise ist Innovation die Spitze der Kreativität. Sie baut nicht nur auf neuen Ideen auf, sondern kombiniert vorhandenes um einen Mehrwert zu schaffen – für uns selbst, für die Gesellschaft oder die Umwelt. Innovation benötigt den Mut und das Durchhaltevermögen, diese Ideen und Visionen umzusetzen und in die Welt zu bringen.
 
Aber: Innovation bedeutet auch, aus Fehlern zu lernen, Scheitern zu akzeptieren und nie aufzuhören, Neues auszuprobieren.
 

Lerne die Basics

Niemand wird über Nacht kreativ. Kreativität braucht Zeit, Geduld und die Bereitschaft, die Grundlagen zu lernen. Ob Malerei, Musik, Fotografie oder Programmierung – zuerst müssen die Basics beherrscht werden. Aber Kreativität ist für jeden zugänglich. Sie ist keine Gabe, sondern eine Fähigkeit, die in uns allen steckt. Es braucht nur den Mut, die ersten Schritte zu machen – und dann loszulaufen.
 
 

Denn: Kreativität und Innovation ist zeitlos.

 

Facebook
Twitter
LinkedIn